Voll digitalisiert – und trotzdem fehlt die Wäsche. Ein Beispiel aus der Wäscheversorgung im Spital zeigt, warum Prozessoptimierung nicht mit der Automatisierung beginnen sollte. Entscheidend ist, ob ein Prozess seinen Zweck zuverlässig und mit wenig Aufwand erfüllt.

Wäscheversorgung mit einem einfachen Ablauf

In einem Spitalprojekt fragte Matthias Probst nach der Wäscheversorgung auf der Bettenstation. Der Ablauf: Zweimal pro Woche wird der Wagen auf der Station gegen einen vollen ausgetauscht. Der zurückkommende Wagen wird wieder aufgefüllt.

Der Prozess kommt mit wenigen klaren Regeln aus:

  • Eine feste Tour bestimmt den Austausch.
  • Verbrauch und Auffüllen folgen einer geregelten Reihenfolge.
  • Auf der Station wird nicht gezählt.
  • Vor Ort ist kein Umstapeln nötig.
  • Die Mitarbeitenden erkennen Veränderungen im Verbrauch.

Die Rückmeldung aus der Station war eindeutig: Der Ablauf funktioniert gut.

Digitale Bestandsführung verhindert nicht jeden Engpass

In anderen Spitälern erlebte Matthias Probst aufwendigere Abläufe: täglich zählen, bestellen und liefern. Eine weitere Variante ist die digitale Bestandsführung. Waagen erfassen den Bestand, das System berechnet den Bedarf und bestellt automatisch nach.

Diese Lösung ist technisch ausgeklügelt. Die Rückmeldung dazu fiel jedoch differenziert aus: Grundsätzlich funktioniere sie gut. Bei Fehlern, etwa durch Gewichtsunterschiede zwischen neuen und alten Textilien, oder bei unerwarteten Verbrauchsspitzen fehle dennoch immer wieder Wäsche.

Der Massstab für einen guten Prozess ist deshalb nicht der Digitalisierungsgrad. Auf der Station zählen die richtige Wäsche und Zeit für Patientinnen und Patienten.

Vor Digitalisierung und KI den Bedarf klären

Die Frage «Wie automatisieren wir das Zählen und Bestellen?» setzt bereits voraus, dass beide Arbeitsschritte nötig sind. Vor der technischen Umsetzung sollten deshalb andere Fragen stehen:

  • Was brauchen unsere Patientinnen und Patienten oder Kunden wirklich?
  • Welchen Bedarf und welche Schwankungen müssen wir abdecken?
  • Was können wir vereinfachen oder weglassen?
  • Müssen wir dafür überhaupt zählen oder bestellen?

Diese Fragen gehören vor die Entscheidung über Digitalisierung oder den Einsatz von KI. Manchmal ist der grösste Fortschritt ein Arbeitsschritt, den niemand mehr erledigen muss.